Caffineo

Journal · Markt

Der Abend, an dem hundert Röster es probiert haben

Im Mai standen unsere Hybrid-Blends vor der versammelten deutschen Kaffeebranche. Im November stellte Eduscho einen Blend mit 51 Prozent Süßlupine ins Regal. Was dazwischen liegt, ist weniger spektakulär als es klingt — und für dich brauchbarer.

Mitte Mai 2025

Hamburg, Röster Cruise.

Der Deutsche Kaffeeverband lädt. Über hundert geladene Kaffeeröster aus ganz Deutschland, vom Zwei-Personen-Betrieb bis zum Konzern. Das ist keine Publikumsmesse. Das sind Leute, die beruflich schmecken und die schon einiges gesehen haben, was sich für eine Neuheit hielt.

Den ganzen Abend über wurden unsere Hybrid-Blends ausgeschenkt. Nicht in der Ecke mit einem Aufsteller, sondern im Ausschank, neben allem anderen.

Dazu ein Fachvortrag, gehalten von Rainer, unter dem Titel: „Lupine — der neue Kaffee? Werden deutsche Landwirte zu Kaffeefarmern?“

Wer schon einmal vor Kollegen über eine eigene Idee gesprochen hat, kennt die zwei Möglichkeiten. Höfliches Nicken und danach nichts. Oder Nachfragen. Es wurden Nachfragen.

Das ist übrigens der einzige Beweis, der uns wirklich wichtig war. Alles andere kann man behaupten. Ob ein Blend im Becher besteht, entscheiden nicht wir und schon gar nicht ein Prospekt — das entscheiden Leute, die den Unterschied hören würden, wenn es einen gäbe.

Der erste Einwand einer Rösterei ist nie der Preis. Er lautet: Kauft das überhaupt jemand?

Damit das klar ist

Lupine rösten Menschen seit Generationen. Das hier ist etwas anderes.

Wir sind nicht die Ersten, die eine Lupine in eine Trommel geben. In Südtirol machen sie das seit Generationen — der Altreier Kaffee —, und in Reformhäusern und Onlineshops stehen heute etliche fertige Lupinengetränke.

Die haben alle eines gemeinsam: Sie sind Ersatz. Sie treten an die Stelle von Kaffee, und sie werden an Endkunden verkauft.

Was es vor uns nicht gab, ist die Lupine als Zutat für Röstereien. Fertig geröstet geliefert, mit Spezifikation, Musterdeklaration und einem Zeichen für die Tüte. Zum Mischen mit echtem Röstkaffee, nicht an dessen Stelle. Keine Kaffeealternative, sondern eine dritte Bohne neben Arabica und Robusta.

Das ist die Kategorie, die wir aufgemacht haben, und dahinter steckt kein Einfall, sondern eine ziemlich lange Strecke: dreizehn Jahre Lupine, zwei Jahre Entwicklung bis zur Röstfähigkeit im Blend, Blindverkostungen vor der Röstergilde und dem Deutschen Kaffeeverband, ein eingetragenes Markenzeichen — und fünf Röstereien, die heute damit produzieren.

Als wir in Hamburg ausgeschenkt haben, lag in Deutschland kein einziger Hybrid-Blend im Regal.

Mitte November 2025

51 Prozent Lupine. Nicht fünf, nicht zehn.

Tchibo meldet unter der Überschrift „Eduscho kann’s: Süßlupine meets Röstkaffee“ ein neues Produkt. Datum der Meldung: 5. November 2025.

„Kaffee & Lupine“, gemahlener Filterkaffee, 250 Gramm, 3,99 Euro, Bestellnummer 217280. Die Zusammensetzung steht auf der Produktseite: 51 Prozent Süßlupinen, 49 Prozent Röstkaffee.

Diese Zahl ist der eigentliche Befund. Nicht, dass ein großer Anbieter Lupine ausprobiert, sondern in welcher Größenordnung. Über die Hälfte. Das ist kein Beimischungsversuch am Rand der Rezeptur — das ist ein Produkt, dessen Charakter zur Hälfte von der Lupine kommt, verkauft an Menschen, die im Supermarkt stehen und nicht wissen, was eine Süßlupine ist.

Der ehrliche Teil, Nummer eins

Was das heißt — und was nicht.

Wir könnten daraus jetzt eine Geschichte bauen, in der das eine aus dem anderen folgt. Mai, dann November, du verstehst schon. Wir lassen es, und zwar nicht aus Bescheidenheit.

Ein Kaffee, der bundesweit im Regal steht, entsteht nicht in sechs Monaten. Rezeptur, Sensorikpanels, Verbrauchertests, Verpackungsentwicklung, Rohstoffbeschaffung für eine neuartige Zutat in Konzernmengen, Listungsgespräche mit dem Handel. Wer schon einmal ein Produkt in den Lebensmitteleinzelhandel gebracht hat, weiß, dass dieser Weg ein bis zwei Jahre dauert. Als wir in Hamburg ausgeschenkt haben, lief das dort mit ziemlicher Sicherheit längst.

Die unspektakuläre Erklärung ist also die wahrscheinliche. Sie ist aber auch die interessantere.

Denn dann sind zwei Parteien unabhängig voneinander am selben Punkt herausgekommen, die weiter nicht voneinander entfernt sein könnten: ein Konzern mit Marktforschung, Panels und bundesweiter Regalfläche — und eine Rösterei, die siebenundzwanzig Jahre am Ofen gestanden hat.

Wenn zwei so verschiedene Wege am selben Punkt enden, sagt das mehr über den Punkt aus als über die Wege. Die Idee lag in der Luft, weil sie richtig ist.

Das ist für dich die bessere Nachricht. Eine abgeschriebene Idee beweist gar nichts. Zwei unabhängige Wege zur selben Kategorie beweisen, dass die Kategorie da ist.

Und für uns ist es, ehrlich gesagt, die schönste Bestätigung, die wir bekommen konnten. Wir haben diese Idee jahrelang in Räume getragen, in denen sie neu war — vor Landwirten, vor Röstern, vor einem Verband. Dass wenige Monate nach diesem Abend das größte Kaffeeunternehmen des Landes dieselbe Idee für tragfähig genug hielt, um sie bundesweit ins Regal zu stellen, beantwortet die Frage, die uns am Anfang alle gestellt haben: ob das jemals mehr wird als eine Marotte aus Mittelfranken.

Was die Käufer geschrieben haben

4,1 von 5. Und 71 Prozent würden es weiterempfehlen.

270 Bewertungen kamen auf der Produktseite zusammen. Der Durchschnitt liegt bei 4,1 Sternen, die Verteilung so: 159× fünf Sterne, 45× vier, 29× drei, 11× zwei, 26× ein Stern. 192 der 270 — also 71 Prozent — sprechen eine Weiterempfehlung aus.

Diese Verteilung ist aufschlussreicher als der Mittelwert. Sie ist nicht glockenförmig, sondern an beiden Enden schwer: eine große Mehrheit, die überzeugt ist, und ein harter Kern, der ablehnt. So sehen Bewertungen bei Produkten aus, die etwas spürbar verändern. Ein Kaffee, den niemand vom gewohnten unterscheidet, bekommt solche Einser nicht.

Interessanter als die Note ist ohnehin, worüber die Leute schreiben. Immer wieder derselbe Anlass: der Nachmittag. Die Tasse, die sonst wegfällt.

Der ehrliche Teil, Nummer zwei

Was in diesen Zahlen nicht steht.

Wir könnten hier aufhören und die 4,1 als Beweis verkaufen. Das wäre unsauber, und du würdest es merken.

Es bewertet nur, wer gekauft hat. Wer im Regal vorbeigegangen ist, taucht in keiner Statistik auf. Gute Bewertungen sagen etwas über die Zufriedenheit der Käufer — nichts über ihren Anteil an allen, die das Produkt gesehen haben.

Die entscheidende Zahl fehlt. Sie heißt Wiederkaufrate und ist nicht öffentlich. Ob jemand nach der ersten Packung eine zweite gekauft hat, weiß nur Tchibo.

Was die Daten belegen: Es gibt eine Nachfrage, die bereit ist zu probieren, und ein Blend mit über der Hälfte Lupine kann Menschen überzeugen. Was sie nicht belegen: dass daraus ein dauerhafter Massenmarkt wird.

Nimm das bitte genauso in dein eigenes Gespräch mit. Ein Argument, das dein Gegenüber selbst entkräften kann, schadet mehr, als es nützt.

Der Stand heute

„Zur Zeit nicht verfügbar.“

So steht es auf der Produktseite, Stand September 2026. Warum, sagt Tchibo nicht öffentlich — und wir spekulieren nicht darüber. Wer behauptet zu wissen, warum ein Konzern ein Produkt aus dem Regal nimmt, behauptet zu viel.

Gesichert ist etwas anderes, und das genügt: Die Kategorie wurde im größten denkbaren Rahmen geprüft. Und die Regalfläche ist frei.

Der Unterschied, der dir bleibt

Im Regal lagen zwei feste Werte. Du hast beide in der Hand.

Der erste ist das Verhältnis. 51 zu 49, für alle gleich. So muss ein Regalprodukt gebaut sein — es steht bundesweit und muss für jeden passen, für den, der morgens um sechs die erste Tasse trinkt, genauso wie für den, der abends um zehn noch eine möchte. Der Kompromiss ist da keine Schwäche, sondern die Bauvorschrift.

Mit Caffineo stellst du das Verhältnis je Sorte ein. 20 Prozent für den Einstieg, 50 für die Mitte, 66 für den Spätabend. Aus einer Zutat werden mehrere Sorten, und jede trifft einen anderen Moment. Mehr dazu im Artikel zum Mischungsverhältnis.

Der zweite ist die Mahlung. „Kaffee & Lupine“ gab es ausschließlich gemahlen — 250 Gramm, fertig für die Filtermaschine, zwei Kaufoptionen: eine Packung oder zwölf. Eine ganze Bohne stand nie daneben. Für ein Supermarktprodukt ist auch das folgerichtig; wer im Regal danach greift, hat meistens keine Mühle.

Nur ist der Mahlgrad bei einem Lupinen-Blend kein Nebenschauplatz. Die Lupine bringt mehr Feinanteil mit und quillt stärker auf als Kaffee. Sie will deutlich gröber gemahlen werden — das ist die einzige Reklamation, die wir überhaupt kennen, und sie hat immer dieselbe Ursache. Die Einzelheiten stehen im Artikel zum Mahlgrad.

Wer eine fertige Mahlung kauft, hat diesen Regler nicht. Die Einstellung ist im Werk gefallen, für ein Brühverfahren. Wer damit einen Vollautomaten oder einen Siebträger bedienen wollte, konnte nichts daran ändern.

Wir sagen ausdrücklich nicht, dass das Produkt daran gescheitert ist. Wir sagen: Du hast ganze Bohnen, einen Satz auf der Tüte und im Zweifel jemanden am Tresen, der die Mühle gleich mit einstellt. Das ist der Unterschied zwischen einem Produkt und einer Rösterei.

Was du dafür nicht umstellen musst

Fertig geröstet geliefert. Die rohe Lupine sieht deine Trommel nie.

Lupine ist ein kennzeichnungspflichtiges Allergen nach EU-Recht. Das ist eine Tatsache, und jemand wird dich danach fragen.

Die Antwort ist unaufgeregt: Du bekommst Caffineo fertig geröstet. Die rohe Bohne kommt nicht in deine Trommel, nicht in deine Mühle, nicht in deine Silos — kein zusätzliches Allergenmanagement in deinem Betrieb, kein neues Röstprofil, keine Umstellung deiner Anlage. Deklariert wird im Zutatenverzeichnis mit hervorgehobenem Hinweis. Musterformulierungen und die vollständige Spezifikation bekommst du von uns.

Verantwortlich für die Kennzeichnung auf deiner Tüte bleibst du. Das nimmt dir niemand ab, auch wir nicht.

Wer selbst rösten will, bekommt von uns ein Ausgangsprofil. Dann gelten die üblichen Regeln für einen allergenen Rohstoff im Betrieb — die meisten wollen genau das nicht, und deshalb liefern wir standardmäßig geröstet. Alles zur Bohne selbst steht auf der Bohne-Seite.

Häufige Fragen dazu

Wie groß war das Eduscho-Produkt „Kaffee & Lupine“?

Ein gemahlener Filterkaffee von Eduscho (Tchibo) mit 51 Prozent Süßlupinen und 49 Prozent Röstkaffee, 250 Gramm zu 3,99 Euro, angekündigt am 5. November 2025. Auf der Produktseite kamen 270 Kundenbewertungen mit einem Durchschnitt von 4,1 von 5 Sternen zusammen, 71 Prozent sprachen eine Weiterempfehlung aus. Stand September 2026 ist das Produkt als „zur Zeit nicht verfügbar“ gekennzeichnet.

Beweisen diese Bewertungen, dass es einen Markt für Hybrid-Blends gibt?

Sie belegen, dass Nachfrage zum Probieren existiert und dass ein Blend mit über 50 Prozent Lupinenanteil Käufer überzeugen kann. Sie belegen keinen dauerhaften Markt: Es bewertet nur, wer gekauft hat, und die Wiederkaufrate ist nicht öffentlich.

Muss ich als Rösterei ein Allergenmanagement für Lupine einführen?

Wenn du Caffineo fertig geröstet beziehst, verarbeitest du keine rohe Lupine und brauchst in deinem Betrieb keine zusätzlichen Maßnahmen. Die Kennzeichnungspflicht auf der Verpackung bleibt bestehen und wird über das Zutatenverzeichnis mit hervorgehobenem Allergenhinweis erfüllt. Musterformulierungen liefern wir mit.

Der nächste Schritt ist klein

Erst probieren, dann reden.

So haben es die hundert Röster in Hamburg auch gemacht. Geröstete Caffineo-Bohne, eine fertige Referenzmischung zum Danebenstellen und die Spezifikation — auf Wunsch mit einem Ausgangs-Röstprofil.

Musterpaket per E-Mail anfordern

Oder ruf an: 0172 5854263. Da geht Rainer ran.

Produktangaben und Bewertungen von der Tchibo-Produktseite „Eduscho Kaffee & Lupine“ (Bestellnummer 217280), abgerufen im September 2026. Ankündigungsdatum laut Tchibo-Newsroom, 5. November 2025. Allergenkennzeichnung nach LMIV Anhang II.